Asthetik des Scheiterns – ArchiFlop

„Kuriose Fehlschläge der Baugeschichte – hier kann man nur staunen und den Kopf schütteln…!“ i-love-urbanart Redaktion

Niederlagen und Fehlschlägen

Dieser Band versammelt eine Reihe außergewöhnlicher architektonischer Fehlschläge – man könnte auch von Archiflops sprechen – und behandelt damit ein in vieler Hinsicht interessantes Thema. Würde nur eines der Beispiele Gegenstand eines Films sein, jeder würde ihn als überzogen und unrealistisch abtun. Tatsächlich leben wir ja in einer historischen Periode, in der wir mit Niederlagen und Fehlschlägen ganz anders als bisher umgehen.

Archiflop von Alessandro Biamonti
„Archiflop – Gescheiterte Visionen“ von Alessandro Biamonti

In erster Linie suchen wir nach einer Begründung dafür, sie als Problem hinter uns zu lassen und als Chance anzugehen. Diese neue Betrachtungsweise des Scheiterns beginnt in der Regel auf der persönlichen Ebene, um dann aber weiter gefassten konzeptuellen Dimensionen nachzugehen und damit unter Umständen ganze Gesellschaften oder Nationen in den Blick zu nehmen.

„Einfach unglaublich, wie viele architektonische Großprojekte im Laufe der Zeit fehlgeschlagen sind…“ P. Schlingensiepen – PR-Beraterin für Immobilien

Niedergang der Technologien

Jede Entwicklung, ob auf der technologischen, der philosophischen oder der sozialen Ebene, geht notwendig mit der Überwindung
und dem anschließenden Niedergang der Technologien, Denkweisen und gesellschaftlichen Strukturen einher, die ihr vorausgingen. Die Geschichte der Menschen könnte, so gesehen, als ein Prozess der ständigen schichtweisen Überlagerung sowohl von Techniken als auch von Überlegungen und Errungenschaften betrachtet werden, die nicht mehr adäquat sind. Mit anderen Worten, die Geschichte hat sich auf Schichten von Schutt und von Fehlschlägen entwickelt, auf Überresten, mit denen wir Menschen von jeher gelebt haben.

Die (im Maßstab verkleinerte) Kopie des Eifelturms, umgeben von Gärten und Wohnquartieren. ChinaFotoPress/ ChinaFotoPress via Getty Images
Die (im Maßstab verkleinerte) Kopie des Eifelturms, umgeben von Gärten und Wohnquartieren. ChinaFotoPress/ ChinaFotoPress via Getty Images. Archiflop: Seite 34 und 35

Die unangepassten Arten verschwinden von der Bildfläche

Obwohl uns diese Ruinenlandschaften sehr vertraut sind, haben wir noch immer nicht wirklich erkannt und akzeptiert, dass Dinge, Menschen und Gedanken sich an einem bestimmten Punkt unter Umständen als nicht mehr adäquat erweisen und dass genau dieser Umstand häufig den Anstoß für etwas Neues bildet. Das ruft uns die Darwinsche Evolutionstheorie in Erinnerung, derzufolge die unangepassten Arten von der Bildfläche verschwinden. Soweit es die menschliche Spezies betrifft, ist das Schicksal allerdings gnädiger: Menschen können nach einem Fehlschlag weiterleben, ja sogar gestärkt daraus hervorgehen und sich neuen Herausforderungen stellen.

Die endgültig aufgegebenen Ufo-Häuser, Wohnmodule im Distrikt Sanzhi in Taipeh, vor dem im Jahr 2008 erfolgten Abbruch. Fotonachweis: Jauder Ho/ Getty Images: Einbandvorderseite: Archiflop: Seite 48 und 49
Die endgültig aufgegebenen Ufo-Häuser, Wohnmodule im Distrikt Sanzhi in Taipeh, vor dem im Jahr 2008 erfolgten Abbruch. Fotonachweis: Jauder Ho/ Getty Images: Einbandvorderseite: Archiflop: Seite 48 und 49

»Bleibt hungrig! Bleibt verrückt!«

Was den neuen Umgang mit dem Scheitern angeht, so kann die Rede, die Steve Jobs 2005 vor Absolventen der Universität Stanford gehalten hat, als ein Meilenstein und zugleich als Wegweiser betrachtet werden, der dem neuen Jahrtausend eine Richtung vorgeben sollte. Jobs zählte darin 10 die Niederlagen und Misserfolge auf, die er im Laufe seines Lebens erlitten hatte und die seiner Ansicht nach sehr wohl ihren positiven Beitrag zu seinem Aufstieg und seiner glänzenden Karriere geleistet hatten. Die Rede endete mit dem berühmt gewordenen Appell: »Bleibt hungrig! Bleibt verrückt!«

Das Buch:

Archiflop: „Gescheiterte Visionen. Die spektakulärsten Ruinen der modernen Architektur“

Verlag: DVA – Deutsche Verlags-Anstalt

Autor: Alessandro Biamonti