Street Art Reloaded: Neue Kunst von der Straße

Street Art – ein aufregender Mix aus Materialien, Motiven und Techniken

Heute werden Graffitis nicht mehr nur gesprüht, sondern mit Licht an die Wände riesiger Hallen projiziert, Hausfassaden mit dreidimensionaler Origamikunst geschmückt und Straßenschilder in Guerilla-Knitting-Aktionen umstrickt. Diese neue Form der Street Art ist ein aufregender Mix aus Materialien, Motiven und Techniken. Daher passt der englische Titel des Buches, auch wenn er etwas sperrig ist: Street Craft. Yarnbombing, Guerrilla Gardening, Light Tagging, Lace Graffiti and More wesentlich besser.

Das Buch Street Art Reloaded stellt in 28 Porträts internationale Straßenkünstlerinnen und -künstler vor, deren Kunstwerke und Installationen ihre Betrachter mit einem Augenzwinkern verzaubern und das Stadtbild von Metropolen auf der ganzen Welt prägen.

"Trapped in a Life Time", Málaga, Spanien, 2012, bemalter Zement von Isaac Cordal | S. 24 © Isaac Cordal / Street Art Reloaded, Prestel 2015
„Trapped in a Life Time“, Málaga, Spanien, 2012, bemalter Zement von Isaac Cordal | S. 24 © Isaac Cordal / Street Art Reloaded, Prestel 2015

Der Spanische Bildhauer Isaac Cordal sind mittlerweile nicht nur auf den Straßen, sondern auch in den Galerien zu entdecken – und das weltweit. Seine Arbeiten – keine Zementmännchen – tragen Anzug, Aktentasche, bunte Krawatten und Halbglatze.

„Bewusst in prekären Situationen dargestellt, etwa in Regenpfützen oder zwischen wild aus einer Mauer herauswachsenden Grasbüscheln, thematisieren die kleine existenzialistischen Figuren […] nicht ohne Humor die Tragik der menschlichen Existenz“, schreibt Riikka Kuittinen. [weiter lesen]

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Das Buch zeigt zahlreiche Facetten der „Street Art“ – von eingehäckelten Bäumen, Häuser und Verkehrsschilder oder aus Moos „gemalte“ Tieren oder grüne Schriftzüge über mit Fotos beklebte Fahrtkarten-Automaten und Glaskontainer Origamie-Papierobjekte an Wänden. Zudem finden sich Miniaturwelten, Lichtinstallationen oder schlicht Blumen, die einfach so auf dem Gehweg herumstehen.

Das Buch ist lädt zum Staunen ein, den es überrascht immer wieder, welche verschiedenen Kunstrichtungen und Objekte innerhalb der Street Art zu entdecken sind. Zudem gibt es interessante Infos zu den jeweiligen Künstlern, der kurzlebigen Arbeiten. Bemerkenswert ist das deshalb, da die Artists ja in der Regel selten ihre Namen neben den Objekten setzen.

über die Autorin und weitere Mitwirkende

Riikka Kuittinen arbeitet als freie Kuratorin und Autorin in London. Sie kuratierte die Wanderausstellung „Street Art: Contemporary Prints“ (2010–2012) des Victoria and Albert Museums und ist Herausgeberin des Begleitkatalogs. Darüber hinaus verfasst sie Beiträge für zahlreiche Kunst- und Designpublikationen und schreibt für das britische Onlinemagazin Photomonitor.
Vor einigen Jahren noch als illegales Treiben einer Handvoll Aktivisten unter Strafe gestellt, hat sich Street Art in den letzten Jahren als eine der vitalsten und kreativsten Kunstformen nicht nur in den Medien, sondern auch auf dem Kunstmarkt etabliert.

S. 35 © Craftivist Collective / Street Art Reloaded, Prestel 2015
S. 35 © Craftivist Collective / Street Art Reloaded, Prestel 2015

Die aus Großbritannien stammende Künstlerin Sarah Corbett ist die Leiterin des Craftivist Collective. Diese Einrichtung soll die Öffentlichkeit durch Handarbeiten und Kunsthandwerk für soziale Belange sensibel machen. So engagiert sich Craftivist Collective beispielsweise dafür, handwerkliche Tätigkeiten in Gefängnissen zu fördern, sogenannte Sweatshops (Ausbeuterbetriebe) zu schließen und die Unterernährung bei Kindern zu bekämpfen.

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"Grow", London, England, 2012, Moos, S. 52 © Anna Garforth / Street Art Reloaded, Prestel 2015
„Grow“, London, England, 2012, Moos, S. 52 © Anna Garforth / Street Art Reloaded, Prestel 2015

Die „Street Art Gärtnerin“ Anna Garforth kommt aus Großbritannien, genauer aus der Metropole London. Dort, wo Grün durch Asphalt und Beton immer seltener wird, macht die Künstlerin Moos-Graffitis. Das bedeutet, sie „malt“ Schriftzüge aus lebenden Pflanzen an Wände und Türen. Ihr Ziel ist es, „den natürlichen Wildwuchs des Mooses mit der formalen Ästhetik der Grafik“ zu vereinen. [weiter lesen]

 

The Last Ressort, Wandworth, London, Englan, 2010, verschiedene Materialien, S. 194 © Slinkachu / Street Art Reloaded, Prestel 2015
The Last Ressort, Wandworth, London, Englan, 2010, verschiedene Materialien, S. 194 © Slinkachu / Street Art Reloaded, Prestel 2015

Der britische Künstler Slinkachu, begann bereits 2006 damit, kleine menschliche Figuren, wie von einer Spielzeugeisenbahn, aus ihrer „natürlichen“ Umgebung zu nehmen und auf der Straße zu platzieren. Die Figuren wurden oft mit Gegenständen in Echtgröße kombiniert, so dass der Szenerie etwas noch unwirklicheres und surrealeres inne lag.

Die Arbeiten des mittlerweile weit über die Grenzen des Vereinigten Königreichs hinaus agierenden Künstlers verbindet Street Art mit Installationskunst und Fotografie. [weiter lesen]

Das Buch Street Art Reloaded ist im Prestel-Verlag erhältlich