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Asta Gröting Things, 2018 Videostill 4K UHD-Video mit Ton, 6:32 min © VG Bild-Kunst, Bonn 2025

ASTA GRÖTING. EIN WOLF, PRIMATEN UND EINE ATEMKURVE

Posted on 6. November 20257. November 2025 by sven

Ausstellung noch bis bis zum 12. April 2026
Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie | Sammlung Gegenwartskunst

Asta Gröting im Städel Museum – Die Poesie des Augenblicks

Intime Momente, menschliche Nähe und das Sichtbarmachen des Unsichtbaren – das ist das Herzstück der Kunst von Asta Gröting (*1961). Die Bildhauerin, die seit den 1980er-Jahren zu einer der prägenden Stimmen der zeitgenössischen Kunst in Deutschland zählt, erkundet in ihren Arbeiten die subtilen Prozesse des Zwischenmenschlichen. Dabei überschreitet sie längst die Grenzen der klassischen Skulptur: Seit den 1990er-Jahren erweitert Gröting ihr Werk konsequent durch Videoarbeiten, in denen sie das Alltägliche, Fragile und Emotional-Komplexe unserer Existenz erfahrbar macht.

Asta Gröting | First Drink, 2018 | Videostill
4K UHD-Video mit Ton, 17:05 min | © VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Vom September 2025 bis 12. April 2026 widmet das Städel Museum der Künstlerin eine umfassende Einzelausstellung in der Sammlung Gegenwartskunst. Gezeigt werden acht Werke aus den Jahren 2015 bis 2025 – darunter sieben Videoarbeiten sowie eine neue Laserprojektion, die eigens für die Schau entwickelt wurde.

Die Auswahl spannt einen atmosphärischen Bogen zwischen Natur und Kultur, Intimität und Distanz, Vertrautem und Fremdem. Gröting fängt in ihren Filmen flüchtige Augenblicke des Menschseins ein – mal dokumentarisch, mal inszeniert – und lässt sie durch eine gezielte Manipulation von Zeit in besonderer Intensität aufscheinen. Ihre Arbeiten sind keine bloßen Abbilder der Realität, sondern kontemplative Räume, die das Publikum zum Nachdenken über verborgene Beziehungen und emotionale Dynamiken anregen.

Asta Gröting versteht Kunst als ein Medium der Verbindung. Ihre Videos zeigen, wie Nähe entsteht – leise, eindringlich, oft an der Grenze zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem. Sie lädt uns ein, jene feinen Zwischenzustände wahrzunehmen, die das Leben so reich und rätselhaft machen, und die Poesie des Augenblicks neu zu entdecken.

Ein besonderer Höhepunkt der Ausstellung ist die eigens für das Städel entstandene Arbeit „Atemkurve“ (2025). Ebenso feiert die neueste Videoarbeit „Matthias, Helge und Asta“ (2025) hier ihre Premiere – ein intimes Zusammentreffen von Matthias Brandt, Helge Schneider und der Künstlerin selbst.

Asta Gröting | Things, 2018 | Videostill
4K UHD-Video mit Ton, 6:32 min
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025

„Asta Grötings Filme zeigen die visuelle Poesie unseres Alltags durch präzise Beobachtung und geben Raum für das Verborgene. Bereits seit 2019 besitzt das Städel mit Wir, wir, wir, du, du, ich (1994) eine skulpturale Arbeit der Künstlerin. Mit dieser Ausstellung setzen wir bewusst einen Schwerpunkt auf Videokunst. Grötings Werk steht für eine künstlerische Praxis, die gesellschaftliche und existenzielle Fragen vielschichtig verhandelt. Ihre Videokunst trägt dazu bei, die Grenzen zwischen Inszenierung und
Alltag auszuloten, indem sie tradierte Erzählformen weiterentwickelt. Damit ergänzt sie das Profil der Sammlung Gegenwartskunst im Städel Museum auf ideale Weise.“

Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums

Ein Wolf, Primaten und eine Aremkurve

Mit filmischen Arbeiten aus den vergangenen zehn Jahren bietet die Ausstellung im Städel Museum einen konzentrierten Einblick in das jüngere Werk von Asta Gröting und rückt ihre Videokunst in den Mittelpunkt. Ihre Filme zeigen, wie sie Wahrnehmungen entschleunigt, Bedeutungen aufbricht und Empfindungen verdichtet.

Oft entstehen ihre Arbeiten aus alltäglichen Beobachtungen von Menschen, Tieren und Objekten, die in präzise komponierten Szenen aufeinandertreffen. Gröting interessiert sich für das Unsichtbare und Ungesagte – nicht als Leerstelle, sondern als Raum der Erkenntnis. In verlangsamten oder beschleunigten Sequenzen und mit reduzierter Sprache entfalten sich filmische Miniaturen, die zwischen Vertrautem und Fremdem changieren.

Anstelle klarer Eindeutigkeiten eröffnen sich Erfahrungsräume, in denen Wahrnehmung und Bedeutung ständig neu verhandelt werden. Grötings filmisches Werk ist eine tastende Annäherung an die Bedingungen menschlicher Existenz – eine Suche nach dem, was unser Dasein im Innersten prägt.

Im Dialog mit der Sammlung Gegenwartskunst des Städel Museums fügen sich ihre Arbeiten in eine größere Erzählung über das Menschsein ein. Die Ausstellung setzt bewusst auf Entschleunigung und schafft Raum zum Innehalten, Beobachten und Neuordnen.

Asta Grötings Werke erweitern den Blick und stehen für eine tiefgehende Reflexion über das Menschsein in einer zunehmend rationalisierten und von Distanz geprägten Welt.

Atemkurve (2025)

Eigens für die Ausstellung im Städel Museum entstand die Arbeit „Atemkurve“ (2025), in der Asta Gröting eine medizinische Messung des Atemflusses in eine abstrakte, poetische Laserprojektion überträgt. Eine leuchtend weiße Linie zeichnet das Ein- und Ausatmen des Menschen nach und erscheint als flüchtige Zeichnung im Raum – sichtbar und doch immateriell.

Mit dieser Arbeit erweitert Gröting ihre filmische Erkundung des Menschseins und gibt dem Unsichtbaren eine Form, indem sie das Essenziellste des Lebens – den Atem – sichtbar macht. Die Projektion entfaltet sich in einer raumgreifenden Geste über der In-situ-Arbeit Mosaic Mirror Wall Piece (1991–2012) von John M. Armleder im Metzler-Foyer des Städel Museums. In diesem spannungsvollen Dialog zwischen Laserlicht und Spiegelwand entsteht ein Moment der Reflexion – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Asta Gröting | Matthias, Helge und Asta, 2025
4K UHD-Video mit Ton, 8 min | Foto: Konstantin von Sichart
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025

MATTHIAS, HELGE UND ASTA (2025)

In Asta Grötings neuester Videoarbeit „Matthias, Helge und Asta“ (2025), die im Städel Museum erstmals öffentlich gezeigt wird, stellt Matthias Brandt eine einfache, doch tiefgehende Frage: „Bist du gescheitert?“
Helge Schneider und Asta Gröting antworten nicht mit Worten, sondern mit Blicken, Gesten – einem Atemzug, der stockt, bevor Sprache entstehen könnte.

Das Scheitern erscheint hier nicht als Niederlage, sondern als elementarer Teil des Menschseins. Es ist ein Moment der Offenheit, des Nicht-Beherrschens, in dem Neues entstehen kann. Schon Samuel Beckett beschrieb das in seinem berühmten Satz: „Try Again. Fail Again. Fail Better.“

Mit dieser Arbeit führt Gröting ihre filmische Forschung zu Sprache, Wahrnehmung und zwischenmenschlicher Resonanz weiter. Sie untersucht, wie Kommunikation jenseits von Worten funktioniert – in Gesten, in Stille, in dem Raum zwischen Versuch und Verfehlung. So wird das Scheitern selbst zu einem poetischen Ausdruck von Verbundenheit und Erkenntnis.

AFFE UND MENSCH (2023)

In ihrer Videoarbeit „Affe und Mensch“ (2023) richtet Asta Gröting einen sensiblen, fast zärtlichen Blick auf das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Eindringliche Nahaufnahmen zweier Orang-Utans überlagern sich in kurzen Momenten mit dem Gesicht eines Säuglings – ein stiller, berührender Dialog über Nähe, Ähnlichkeit und gegenseitiges Erkennen.

Die Arbeit stellt grundlegende ethische Fragen: Was verbindet uns mit unseren biologisch nächsten Verwandten – und was trennt uns? Gröting schafft einen Raum der Empathie, in dem die Grenzen zwischen Spezies und Bewusstsein zu verschwimmen scheinen. So wird „Affe und Mensch“ zu einer poetischen Reflexion über unsere gemeinsame Existenz und die Verantwortung, die daraus erwächst.

CHERRY BLOSSOM – DAWN AND DUSK (2022)

In „Cherry Blossom – Dawn and Dusk“ (2022) richtet Asta Gröting ihre Kamera einen ganzen Tag lang auf einen blühenden Kirschbaum – ein Bild pro Sekunde, vom ersten Licht bis zur Dunkelheit. In der beschleunigten Zeitrafferaufnahme zittern die mit Blüten überzogenen Äste im Wind, während Insekten als flüchtige Schatten durch das Bild huschen.

Der Film beginnt in der Nacht, fast in völliger Dunkelheit: Der Baum erscheint als schwarze Silhouette, bevor Blätter und Blüten langsam Farbe und Tiefe gewinnen. Mit dem Tageslicht werden Hummeln und Bienen sichtbar, deren Bewegungen im beschleunigten Rhythmus beinahe nervös wirken – ein Kontrast zur stillen, kontemplativen Präsenz des Baums selbst.

Grötings Arbeit schärft den Blick für Zeit, Licht und Veränderung. Sie macht die Flüchtigkeit des Augenblicks ebenso erfahrbar wie den zyklischen Kreislauf der Natur – ein meditatives Sinnbild für Vergänglichkeit und Erneuerung.

Asta Gröting | Wolf and Dog, 2021
Videostill | 4K UHD-Video, Farbe, Ton, 9:58 min
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025

WOLF AND DOG (2021)

Das Video „Hund und Wolf“ zeigt die Begegnung zweier Tiere mit gemeinsamer Herkunft – und doch völlig unterschiedlichem Verhalten. Begleitet von den tiefen, resonanten Klängen einer Bassklarinette entfaltet sich eine intensive, fast archaische Auseinandersetzung.

Der Hund, in Zeitlupe gefilmt, erscheint verspielt und vertrauensvoll, frisst aus der menschlichen Hand und sucht Nähe. Der Wolf dagegen bleibt wachsam, souverän, selbst dann, wenn der Hund ihn übermütig bedrängt – im stillen Wettstreit um ein Stück Fleisch.

Asta Gröting beleuchtet hier das soziale Verhalten von Tieren und den Gegensatz zwischen Wildheit und Domestizierung. Die menschliche Hand wird zur symbolischen Grenze – Sinnbild für das Eingreifen, das die Wege von Hund und Wolf einst trennte und seither unauflöslich miteinander verknüpft.


FIRST DRINK (2018)

In der Tradition der Stilllebenmalerei spielt das Arrangement von Gegenständen und Lebensmitteln eine zentrale Rolle – es geht nicht nur um das Sichtbare, sondern auch um die unsichtbaren Ebenen von Bedeutung, Erinnerung und Kultur.

Asta Grötings Videoarbeit „First Drink“ (2018) greift diese Tradition auf und überführt sie in die Gegenwart. Acht Personen bereiten ihr erstes Getränk des Tages zu – Kaffee, Tee oder etwas ganz anderes. Der immer gleiche, präzise gewählte Bildausschnitt zeigt jede Person nur im Anschnitt, vor einem sorgfältig komponierten Arrangement aus Tassen, Bechern, Teekannen und Kaffeemaschinen.

Dieser alltägliche und zugleich intime Moment wird zur symbolischen Handlung: Die Gegenstände erzählen von Gewohnheiten, Herkunft und Identität, während die Rückenansichten der Menschen Raum für eigene Projektionen und Identifikation öffnen. Zwischen Ritual und Routine entsteht so ein stilles Porträt des Menschseins im Kleinen – ein filmisches Stillleben des Alltags.

THINGS (2018)

In „Things“ (2018) lässt Asta Gröting Obst, Blumen, Milch, einen Oktopus und allerlei kuriose Gegenstände vor einem strahlend blauen Himmel in die Luft steigen – und in Zeitlupe sanft wieder herabsinken. Aus diesem scheinbar spielerischen Moment entsteht eine surreale Choreografie, die zum Nachdenken über unsere Beziehung zu den Dingen anregt – über Faszination, Besitz und Verbrauch.

Durch die Verlangsamung des Bewegungsablaufs verwandelt Gröting das Alltägliche in etwas nahezu Magisches. Jedes Objekt erhält eine eigene Präsenz und Würde, eine Aura, die im schnellen Rhythmus des Alltags oft verloren geht. „Things“ wird so zu einer poetischen Meditation über die Vergänglichkeit, Schönheit und Bedeutsamkeit der Dinge, die uns täglich umgeben.

Asta Gröting | Touch, 2015
Videostill | 4K UHD-Video, 16:21 min
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025

TOUCH (2015)

n der Videoarbeit „Touch“ (2015) begegnet Asta Gröting elf ihr nahestehenden Personen auf zutiefst intime Weise: Sie blickt ihnen lange in die Augen, während sie deren Gesichter mit den Händen ertastet. Vor dunklem Hintergrund und in völliger Stille entsteht eine wortlose Kommunikation, die Nähe, Vertrauen und Verletzlichkeit zugleich offenbart.

Gröting selbst bleibt nur von hinten zu sehen – der Fokus liegt ganz auf der Berührung, auf dem Tasten als Form des Sehens. In diesem körperlich intensiven Moment „modelliert“ sie die Gesichtszüge ihrer Gegenüber wie eine Bildhauerin – ein Prozess, der unmittelbar auf ihre skulpturale Praxis verweist.

Als älteste Arbeit der Frankfurter Ausstellung verdeutlicht „Touch“ Grötings körperlich geprägte, skulpturale Herangehensweise und ihren fortwährenden Versuch, das Menschsein über Gestik, Empfindung und Form zu begreifen.

Asta Gröting | Foto: Jennifer Endom
© 2024 Asta Gröting, VG Bild-Kunst, Bonn

Über die Künstlerin Asta Gröting

Asta Gröting (*1961 in Herford, Deutschland) lebt und arbeitet in Berlin. Aufgewachsen im Ruhrgebiet, prägten sie früh der industrielle Kontext und die technische Arbeit ihrer Mutter. Vor ihrem Kunststudium absolvierte sie eine Ausbildung bei der Hoesch AG in Dortmund, wo sie unter anderem in der Schreinerei, Schlosserei, Stahlgießerei und Fotowerkstatt tätig war – Erfahrungen, die ihr künstlerisches Selbstverständnis bis heute beeinflussen.

Von 1981 bis 1986 studierte Gröting Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Klaus Rinke. Zu ihren prägenden Bezugspunkten zählen Marina Abramović und Ulay, Joseph Beuys, Jenny Holzer, Barbara Kruger und Bruce Nauman. Nach ihrem Umzug nach Berlin 1993 konzentrierte sie sich zunehmend auf Performances und das Medium Video, das sie bis heute in vielfältiger Weise weiterführt.

Gröting war zudem als Lehrende tätig: Sie unterrichtete Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München (1997–2003) und war von 2009 bis 2025 Professorin an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2023 den Gerhard-Altenbourg-Preis.

Ihre Arbeiten sind international in bedeutenden Sammlungen vertreten, darunter das Centre Pompidou (Paris), Museum Ludwig (Köln), Stedelijk Museum voor Actuele Kunst (Gent), Saint Louis Art Museum, Sammlung Goetz (München) und das Städel Museum (Frankfurt).

Zu ihren wichtigen Einzelausstellungen zählen das Kunsthaus Biel / Centre d’art Bienne, das KINDL – Zentrum für Zeitgenössische Kunst, Berlin, der Kunstraum Dornbirn, das ZKM Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe, der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.), das Lentos Kunstmuseum Linz, das Henry Moore Institute, Leeds, das Marta Herford und das Lindenau-Museum Altenburg.

Darüber hinaus waren ihre Arbeiten regelmäßig in internationalen Gruppenausstellungen zu sehen, unter anderem in der Kunsthalle Bremen, Museum Frieder Burda (Baden-Baden), Fundación Juan March (Madrid), Musée des Beaux-Arts (Paris), James-Simon-Galerie der Staatlichen Museen zu Berlin, in der Kunsthalle Bielefeld, auf der 22. Bienal de São Paulo, der 8. und 14. Biennale of Sydney sowie der 44. Biennale di Venezia.

Kuratorin: Svenja Grosser (Leiterin Sammlung Gegenwartskunst, Städel Museum)
Projektleitung: Gioia Mattner (Wissenschaftliche Volontärin, Sammlung Gegenwartskunst, Städel Museum)
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Information: staedelmuseum.de

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