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Daniel Felstead & Jenn Leung, Welcome to Jankspace, Babe, 2025 © Courtesy of the artists

THE WORLD THROUGH AI

Posted on 28. Mai 2026 by sven

Vorankündigung: 11. JUNI – 20. SEPTEMBER 2026

Wie künstliche Intelligenz unsere Wahrnehmung verändert: Die SCHIRN zeigt „The World Through AI“

Vom 11. Juni bis zum 20. September 2026 widmet sich die Schirn Kunsthalle Frankfurt mit der großen Sommerausstellung „The World Through AI“ einem der prägendsten Themen unserer Gegenwart: künstlicher Intelligenz und ihrem Einfluss auf Gesellschaft, Kunst und visuelle Kultur.
Die Ausstellung versammelt rund 40 Werke internationaler Künstler*innen und erstreckt sich über beide Ausstellungshallen der SCHIRN in der ehemaligen Dondorf Druckerei. Gezeigt werden Videoinstallationen, Fotografien, Skulpturen, Diagramme und multimediale Arbeiten – darunter mehrere eigens für die Ausstellung entwickelte Neuproduktionen.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie KI-Technologien unsere Art zu sehen, zu denken, zu erinnern und Bilder zu erzeugen verändern.

Holly Herndon & Mat Dryhurst, xhairymutantx, video made of images generated by a custom AI model
© Holly Herndon & Mat Dryhurst
Holly Herndon & Mat Dryhurst, xhairymutantx, video made of images generated by a custom AI model
© Holly Herndon & Mat Dryhurst

Kunst als Zugang zu einer komplexen Technologie

Künstliche Intelligenz beeinflusst heute nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche. Dennoch bleiben die zugrunde liegenden Prozesse für viele Menschen abstrakt und unsichtbar. Genau hier setzt die Ausstellung an.
Laut SCHIRN-Direktor Sebastian Baden soll die Ausstellung den oft unsichtbaren Mechanismen von KI eine physische und sinnliche Form geben. Die Kunstwerke machen dabei zentrale ethische, politische und ökologische Fragen sichtbar, die mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz verbunden sind.
Kuratiert wurde die Ausstellung von Antonio Somaini und Katharina Dohm. Beide sehen in der Kunst einen besonderen Zugang, um die Auswirkungen von KI auf Denken, Wahrnehmung und gesellschaftliche Entwicklungen erfahrbar zu machen.


Von Datenzentren bis Deepfakes: Die Themen der Ausstellung

Die Ausstellung gliedert sich in insgesamt 17 Themenbereiche und verbindet aktuelle KI-Debatten mit historischen Kontexten. Besucher*innen begegnen dabei unterschiedlichsten Fragestellungen rund um maschinelles Lernen, Bildproduktion und digitale Machtstrukturen.

Die verborgene Infrastruktur der KI
Bereits zu Beginn richtet die Ausstellung den Blick auf die materiellen Grundlagen künstlicher Intelligenz. Die Videoinstallation „Internet Machine“ von Timo Arnall zeigt die gigantischen Rechenzentren, die hinter digitalen Anwendungen stehen – inklusive ihres enormen Energie- und Wasserverbrauchs.
Auch Julian Charrière beschäftigt sich mit den materiellen Spuren digitaler Technologien. In seiner Werkserie „Metamorphism“ verschmelzen Computerbauteile mit Erde zu skulpturalen Objekten und werfen Fragen nach Elektroschrott und ökologischen Folgen auf.

Gregory Chatonsky, La Quatrième Mémoire, 2025
© Gregory Chatonsky
Gregory Chatonsky, La Quatrième Mémoire, 2025
© Gregory Chatonsky

Maschinelles Sehen und Gesichtserkennung

Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich dem sogenannten maschinellen Sehen – also der Fähigkeit von KI-Systemen, Gesichter, Emotionen oder Objekte automatisch zu erkennen und zu kategorisieren.
Die SCHIRN zeigt hierzu unter anderem die Videoinstallationen „Auge / Machine I–III“ von Harun Farocki, der sich bereits Anfang der 2000er-Jahre mit automatisierter Überwachung und Bildanalyse auseinandersetzte.
Auch Trevor Paglen untersucht die Mechanismen von Gesichtserkennung und Trainingsdaten. Seine Arbeiten machen sichtbar, wie KI-Systeme Menschen analysieren, kategorisieren und dabei oft diskriminierende Muster reproduzieren.


Unsichtbare Arbeit hinter künstlicher Intelligenz

Die Ausstellung thematisiert nicht nur technische Systeme, sondern auch die Menschen hinter der KI.
In ihrer Videoinstallation „Mechanical Kurds“ beschäftigt sich Hito Steyerl mit sogenannter Mikroarbeit – also den oft schlecht bezahlten Tätigkeiten, mit denen Menschen KI-Systeme trainieren. Die Arbeit verweist auf kurdische Clickworker*innen in Flüchtlingslagern, deren Datenarbeit wiederum militärische Technologien unterstützt.
Damit lenkt die Ausstellung den Blick auf die oft unsichtbare menschliche Arbeit hinter scheinbar autonomen Systemen.


AI Slop und digitale Propaganda

Besonders aktuell wirkt der Bereich rund um „AI Slop“ und „Slopaganda“. Gemeint sind massenhaft erzeugte KI-Inhalte, die soziale Netzwerke zunehmend mit stereotypen, oft manipulativen Bildern und Videos fluten.
Die Künstler*innen Occitane Lacurie und Barnabé Sauvage untersuchen in ihrer eigens für die Ausstellung entwickelten Installation „Holy Slop! A Generative Atlas of Slopaganda in Palestine“ die politische Wirkung KI-generierter Propaganda.
Auch die Rolle von Deepfakes, psychologischer Manipulation und algorithmischer Desinformation zieht sich als roter Faden durch mehrere Bereiche der Schau.

Hito Steyerl, Mechanical Kurds, 2025, Single-channel HD video installation (color, sound), aluminium frame
Duration: 13 min
© Courtesy the artist, Andrew Kreps Gallery, New York and Esther Schipper, Berlin/Paris/Seoul, Stills Hito
Steyerl/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Hito Steyerl, Mechanical Kurds, 2025, Single-channel HD video installation (color, sound), aluminium frame
Duration: 13 min
© Courtesy the artist, Andrew Kreps Gallery, New York and Esther Schipper, Berlin/Paris/Seoul, Stills Hito
Steyerl/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Alternative Perspektiven auf KI

Neben kritischen Analysen zeigt die Ausstellung auch künstlerische Gegenentwürfe zu kommerziellen KI-Systemen.
Holly Herndon und Mat Dryhurst präsentieren mit „xhairymutantx“ ein eigenes offenes KI-Modell, das als kollektives und transparentes System gedacht ist. Dabei geht es auch um die Frage, wie Menschen Kontrolle über ihre digitale Darstellung zurückgewinnen können.
Andere Arbeiten beschäftigen sich mit dekolonialen Perspektiven auf KI, alternativen Geschichtsschreibungen oder spekulativen Zukunftsszenarien.


Historische Perspektiven durch „Zeitkapseln“

Eine besondere Ebene der Ausstellung bilden mehrere sogenannte „Zeitkapseln“. Sie verbinden aktuelle KI-Debatten mit historischen Entwicklungen und zeigen unter anderem frühe Formen von Datenspeicherung, Bildanalyse oder psychologischer Kriegsführung.
Außerdem wird die Geschichte der jüdischen Familie Dondorf und der ehemaligen Dondorf Druckerei aufgegriffen – jenem Ort, an dem die Ausstellung heute stattfindet. Damit entsteht ein spannender Bezug zwischen industrieller Bildproduktion der Vergangenheit und algorithmischer Bildproduktion der Gegenwart.


Symposium und Artist Talk begleiten die Ausstellung

Begleitend zur Ausstellung veranstaltet die SCHIRN am 11. Juni 2026 das Symposium „AI Politics: Slop and Slopaganda“. Im Mittelpunkt stehen KI-generierte Propaganda, Deep-Learning-Technologien und die politische Rolle generativer Medien.
Mit dabei sind unter anderem Hito Steyerl, Wolfgang Ullrich sowie weitere internationale Gäste.
Am 30. Juni 2026 folgt außerdem der Artist Talk „AI and the Mediation of the Past: History, Memory, and the Archive“ mit Grégory Chatonsky und Ania Szczepańska.


Ausstellung im Überblick

„The World Through AI“

  • Ort: Schirn Kunsthalle Frankfurt
  • Zeitraum Halle 1: 11. Juni bis 20. September 2026
  • Zeitraum Halle 2: 11. Juni bis 6. September 2026
  • Pressevorbesichtigung: 10. Juni 2026, 11 Uhr

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Jeu de Paume und wird unter anderem von den SCHIRN FREUNDEN, der Stadt Frankfurt am Main sowie der Aventis Foundation gefördert.

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